« Manchmal sind es die kleinen Dinge (die mich glücklich machen), wie … wenn jemand, der dich nicht kennt, auf dich zukommt und sagt: ‚Wow, das war wirklich gut.‘ »
Aidan Hankins: Schiedsrichter aus Passion

Swiss Hockey: Aidan, vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Gespräch mit uns genommen hast. Bei Swiss Hockey gehörst du zur neuen Generation von Schiedsrichtern. Seit wann machst du das schon? Wie bist du zum Schiedsrichterwesen gekommen? Wie alt warst du, als du zum ersten Mal die Pfeife in der Hand hattest?
Aidan: Ich bin seit etwa sechs Jahren als Schiedsrichter tätig. Mein erstes Spiel war ein U12-Match in Lausanne, wo mir Mentoren wie Pascal und François den Einstieg erleichtert haben. Von da an habe ich weiter gepfiffen und schliesslich mit 17 mein erstes Spiel in der Herrenliga geleitet.
Swiss Hockey: Mit 17 Jahren hast du bereits dein erstes Spiel in der Herrenliga gepfiffen??? Das ist ja unglaublich. Und was fasziniert dich am Schiedsrichterwesen?
Aidan: Ich glaube, es sind die unterschiedlichen Auslegungsmöglichkeiten der Regeln sowie die Menschen, die man trifft und die alle dieselbe Leidenschaft für Hockey teilen. Jedes Spiel kann anders sein, und es gibt immer etwas Neues zu lernen.
Swiss Hockey: Jedes Wochenende ein Match zu pfeifen, ist ein ziemlicher Aufwand. Warum machst du das? Was treibt dich an?
Aidan: Weil ich Hockey liebe und es mir immer Spass macht, in diesem Sport aktiv zu sein. Das Schiedsrichtern gibt mir die Möglichkeit, weiterhin am Hockey beteiligt zu bleiben, mich gleichzeitig selbst herauszufordern und mich ständig zu verbessern.
Swiss Hockey: Welche Erfahrungen hast du auf dem Spielfeld gemacht?
Aidan: Zu viele, um sie zu zählen! Manche waren negativ, andere hingegen sehr positiv. Ich glaube, dass auch die Leute, mit denen man als Schiedsrichter zusammenarbeitet, einen grossen Unterschied machen. Ein gutes Verhältnis zu den anderen Schiedsrichtern kann sogar ein schwieriges Spiel viel angenehmer machen.
Swiss Hockey: Wir hören und sehen häufig negative Kommentare – von Zwischenrufen bis hin zu derben Ausdrücken –, die von Spielern, Trainern und Fans kommen. Wie wirkt sich das auf dich aus?
Aidan: Ich glaube, die Spieler verstehen manchmal nicht, dass auch von uns erwartet wird, dass wir uns mental und körperlich vorbereiten, fast wie Profisportler. Wir machen Fehler, genau wie die Spieler. Nach einem Match, bei dem ich angeschrien wurde oder viel Kritik einstecken musste, sitze ich manchmal im Zug nach Hause und denke über jede meiner Entscheidungen nach und darüber, ob ich etwas falsch gemacht habe. Das kann schwierig sein, aber es gibt mir auch die Gelegenheit, dazuzulernen und mich zu verbessern.
Swiss Hockey: Wie motivierst du dich angesichts dieser Herausforderungen, zum nächsten Match zu erscheinen und das Spiel zu leiten?
Aidan: Ich denke, zum Teil tue ich es für die Spieler. Manchmal sind wir müde oder fühlen uns nicht zu 100 %, aber ohne uns gibt es kein Spiel. Das ist einer der Punkte, die mich motivieren. Zweitens geniesse ich das Gefühl, besser zu werden – etwas Neues auszuprobieren, aus jedem Match zu lernen und meine Fortschritte im Laufe der Zeit zu sehen.
Swiss Hockey: Gibt es auch Erlebnisse, die dich positiv überrascht oder dir Freude bereitet haben?
Aidan: Da gab es viele. Manchmal sind es die kleinen Dinge, zum Beispiel wenn ein Spieler dir sagt, dass du ein gutes Spiel gemacht hast, oder wenn jemand, der dich nicht kennt, auf dich zukommt und sagt: «Wow, das war wirklich gut.» Ich geniesse es auch sehr, Zeit mit anderen Schiedsrichtern zu verbringen und über Eishockey und alles Mögliche zu reden. Die Freundschaften und Beziehungen, die man durch das Schiedsrichtern aufbaut, tragen wesentlich dazu bei, dass es Spass macht.
Swiss Hockey: Auf welche Höhepunkte deiner Schiedsrichterkarriere blickst du besonders gerne zurück?
Aidan: Ich denke, einer der grössten Höhepunkte war mein erster Einsatz an einem europäischen Turnier. Das war in der Schweiz, und alle Beteiligten, einschliesslich der Spieler, waren sehr ermutigend und herzlich. Das ganze Turnier war eine wirklich schöne Erfahrung, und es war ein tolles Gefühl, zum ersten Mal auf diesem Niveau pfeifen zu dürfen.
Swiss Hockey: Du bist auch auf internationaler Ebene als Schiedsrichter tätig. Wie sind deine Erfahrungen als Schiedsrichter in der EHL?
Aidan: Ich liebe es. Alle dort sind sehr freundlich und offen, und die Leute sind immer bereit, einem zu helfen. Ich darf an der Seite von Leuten pfeifen, die viel mehr Erfahrung haben als ich, und das hilft mir letztendlich, mich zu verbessern, wenn ich zurück in die Schweiz komme, um dort zu pfeifen. Von erfahrenen Schiedsrichtern umgeben zu sein, gibt mir die Möglichkeit, zu lernen und mich selbst herauszufordern.
Swiss Hockey: Viele Sportverbände haben mit einem Mangel an guten Schiedsrichtern zu kämpfen. Was können Swiss Hockey und die Vereine deiner Erfahrung nach tun, um mehr qualifizierte Schiedsrichter zu gewinnen?
Aidan: Ich denke, ein wichtiger Punkt ist, die Spieler dazu zu ermutigen, Schiedsrichter zu werden. Jeder sollte versuchen, in seinem Verein mitzuhelfen, sei es durch das Leiten von Jugendspielen oder durch andere Formen des Engagements. Das könnte jüngere Spieler dazu inspirieren, sich für das Schiedsrichterwesen zu interessieren, und sie ermutigen, diesen Weg weiterzugehen.
Swiss Hockey: Hast du noch weitere Tipps für junge Spieler, die Schiedsrichter werden möchten?
Aidan: Ich würde einfach sagen: MACH ES! Es schadet nichts, es eine Saison oder sogar nur eine halbe Saison lang auszuprobieren. Gib es eine Chance, schau, ob es dir Spass macht, und vielleicht stellst du fest, dass es etwas ist, das du wirklich weiterverfolgen möchtest.
Swiss Hockey: Wie können sie am besten einsteigen?
Aidan: Am besten spricht man mit seinem Verein und engagiert sich als Schiedsrichter bei Jugendspielen. Man fängt bei den jüngeren Altersklassen an, lernt die Grundlagen und bittet erfahrene Schiedsrichter um Rat. Man lernt viel, einfach indem man rausgeht und es macht.
Swiss Hockey: Und wie sieht es bei dir persönlich aus? Was sind deine Pläne als Schiedsrichter für Swiss Hockey?
Aidan: Für mich geht es einfach darum, weiter als Schiedsrichter tätig zu sein, das Beste aus jedem Match herauszuholen und zu versuchen, mich so gut wie möglich zu verbessern. Ich möchte weiter lernen, neue Herausforderungen annehmen und sehen, wohin mich das Schiedsrichterwesen von dort aus führt.
Swiss Hockey: Vielen Dank, Aidan, für dieses spannende Interview und die tollen Einblicke in deinen Werdegang vom Schiedsrichter bei einem U12-Match bis hin zu einem jungen, international aktiven Schiedsrichter. Das ist sehr inspirierend, und wir wünschen dir alles Gute für deine Schiedsrichterkarriere.

