Hallenhockey-EM Herren

Die Schweiz zeigt Charakter auf der grossen europäischen Bühne. Die EuroHockey Indoor Championship Men gehört zur absoluten Spitze des internationalen Hallenhockeys. Das Niveau bei einem A-Europacup ist extrem hoch – jedes Team spielt auf höchstem Standard. Um konkurrenzfähig zu sein und sich auf diesem Niveau zu behaupten, ist eine exzellente Vorbereitung zwingend notwendig. Genau deshalb haben wir uns als Schweiz bewusst für eine sehr intensive und internationale Vorbereitung entschieden.

Vorbereitung auf höchstem Niveau

Im Rahmen dieser Vorbereitung nahmen wir an mehreren hochklassigen Turnieren teil. Dazu gehörte der prestigeträchtige Messmer Cup mit zahlreichen Topklubs aus Hamburg, die 4 Nations Cup in Ourense gegen Italien, Portugal und Spanien sowie das traditionelle Neujahrsturnier, die Rohrmax Cup in Wien, an dem viele europäische Topnationen vertreten waren. Diese Kombination aus Vereins- und Ländervergleichen bot uns genau die Intensität und Qualität, die für ein A-EM notwendig ist.

Ankunft in Heidelberg – eine Arena der Extraklasse

Von Wien reisten wir direkt weiter nach Heidelberg, wo wir unsere Vorbereitung mit einem Testspiel gegen Tschechien und einer letzten Trainingseinheit abschlossen. Untergebracht waren wir in einem Hotel in Gehweite zur beeindruckenden SNP Arena. Die Arena übertraf all unsere Erwartungen: ausverkaufte Tribünen, starke Präsenz von Sponsoren, Aktivitäten für den Nachwuchs, vielfältige Gastronomieangebote, VIP-Bereiche, DJ-Installationen, grosse Videoleinwände mit Wiederholungen sowie Livestreams aller Spiele – echtes internationales Top-Event-Feeling.

Dritte A-EM in Folge

Am Donnerstag begann schliesslich die Europameisterschaft – bereits zum dritten Mal in Folge auf A-Niveau. Ein klares Zeichen dafür, dass sich die Schweiz in den letzten Jahren auf dieser Stufe etabliert hat. Nach früheren Highlights wie dem Sieg gegen Belgien vor vier Jahren oder dem Sieg gegen Deutschland vor zwei Jahren, wartete diesmal eine extrem starke Vorrundengruppe mit Spanien, Deutschland, Belgien und dem Aufsteiger Irland.

Schwieriger Start gegen Spanien

Das Auftaktspiel gegen Spanien gestaltete sich sehr schwierig. Ein technisch starkes Team mit vielen erfahrenen Spielern, die auch outdoor für Spanien auf höchstem Niveau spielen. Nach einem 3:0-Rückstand kämpften wir uns auf 3:1 heran, doch das schnelle 4:1 raubte uns den mentalen Schwung. Am Ende stand eine 7:1-Niederlage. Die Devise lautete: Wunden lecken, positive Aspekte mitnehmen und den Fokus sofort auf den nächsten Topgegner richten – Deutschland.

Gegen Deutschland in voller Arena

Am Freitag stand das Spiel gegen Deutschland auf dem Programm – für jeden Hallenhockeyfan ein Traum: gegen Deutschland in Deutschland, in einer ausverkauften Arena, live im deutschen Fernsehen. Besonders bewegend war die Schweigeminute vor Spielbeginn zum Gedenken an die Opfer in Crans-Montana. Nach dieser eindrucksvollen Minute begann die Partie, und schnell zeigte sich: Respekt ja, Angst nein. Zur Halbzeit lagen wir 4:1 zurück. Deutschland nutzte vor allem schnelle Konter und effiziente Strafecken und setzte sich auf 6:1 ab. Doch wir gaben nicht auf, kämpften uns nochmals auf 6:3 heran, ehe Deutschland in der Schlussminute den 7:3-Endstand erzielte.

Entscheidungsspiel um den Klassenerhalt

Damit rückte das entscheidende Spiel um den Klassenerhalt gegen Irland in den Fokus. Für beide Teams galt: alles oder nichts. Nach einem 2:0-Rückstand und deutlichen Worten innerhalb des Teams gelang es uns, das Spiel komplett zu drehen. Mit grosser Mentalität und Entschlossenheit setzten wir uns mit 6:3 durch – der Klassenerhalt in der A-Gruppe war gesichert.

Dieses Erfolgserlebnis setzte neue Kräfte frei. Unser Selbstvertrauen und unsere spielerische Qualität stiegen spürbar – und das zeigte sich direkt im letzten Gruppenspiel gegen Belgien. Es entwickelte sich ein hochklassiges und intensives Spiel, das wir dank klugem und strukturiertem Spiel mit 8:5 für uns entscheiden konnten – ein starkes Ausrufezeichen.

Platzierungsspiele voller Dramatik

In den Qualifikationsspielen um die Plätze 5–8 trafen wir auf Portugal – exakt wie vor zwei Jahren. Und erneut endete die Partie mit einem 5:5, sodass Shoot-outs entscheiden mussten. In einer elektrisierenden Atmosphäre, mit vielen Toren, Spannung und grossem Kampf, behielten wir diesmal wieder die Oberhand und zogen als Sieger vom Feld.

Damit blieb noch ein letztes Spiel um Platz 5 – erneut gegen Belgien, das sich zuvor gegen Tschechien durchgesetzt hatte. Auch dieses Spiel war ein echtes Spektakel. Immer wieder gerieten wir in Rückstand (2:0, 4:1, 5:4), kämpften uns aber jedes Mal zurück. Das letzte Viertel war völlig verrückt: acht Tore in acht Minuten, davon vier Schweizer Treffer innerhalb von nur drei Minuten. Am Ende spielten die Belgier die Partie etwas cleverer aus – begleitet von einigen unsportlichen Aktionen. Die Enttäuschung nach dem Schlusspfiff war gross.

Stolz und Perspektive

Doch sehr schnell überwog der Stolz. Stolz auf die Mannschaft, auf die Entwicklung und auf das, was wir bei dieser Europameisterschaft gezeigt haben. Klassenerhalt, Platz 6 und eine enorme internationale Erfahrung – die Schweiz hat sich auf dieser grossen Bühne präsentiert und bewiesen, wozu sie fähig ist. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu weiteren Erfolgen für das Schweizer Hockey.