Ein traditionsreicher Club, mit einer Landhockey Sektion, welches 1923/24 von dem Ehepaar Schoeller gegründet worden ist. Der Club kann somit auf eine mehr als 100jährige Geschichte zurückblicken. Aber viele der heutigen SpielerInnen – ob jung oder alt – kennen nur einen Präsidenten: Retus Gierit. Im Januar diesen Jahres nun fand die Stabsübergabe statt: Toni Haberthür – ebenfalls lange bei GC im Vorstand für den Bereich Finanzen tätig – übernimmt das Ruder bei den Blau-Weissen der Limmatstadt. Swiss Hockey konnte mit beiden Präsidenten ein Gespräch führen.
Wachtwechsel bei GC

Swiss Hockey: Retus, die meisten GC-Mitglieder kennen gar keinen anderen Präsidenten. Wie lange hattest Du die Geschicke von GC gelenkt?
Retus: Im Verlauf des 2000 übernahm ich nach einem überraschenden Rücktritt des damaligen Präsidenten das Amt. Das sind jetzt somit etwas mehr als 25 Jahre.
Swiss Hockey: Wow ¼ Jahrhundert … kein Wunder das für viele Dein Name als Synonym für „Präsident“ steht … Was hatte Dich denn damals dazu bewogen Präsident von GC Landhockey zu werden?
Retus: Einerseits hat mir das Landhockey bei GCZ sehr viel gegeben, was ich sehr gerne zurück geben wollte. Andererseits fühlte ich mich als Vizepräsident dazumal verpflichtet einzuspringen.
Swiss Hockey: Das ist schön zu hören und sehr ehrenhaft von Dir. Kannst Du uns mitteilen, was die Highlights in Deiner Präsidentschaft waren? An was erinnerst Du Dich gerne?
Retus: Natürlich sind Titelgewinne grossartig, aber auch tolle Auslandreisen an die ECs und gesellige Plauschanlässe bleiben in der Erinnerung haften. Das Schönste sind aber die vielen Freundschaften, die uns im Club verbindet.
Swiss Hockey: Toll. Und welche Ereignisse würdest Du lieber vergessen?
Retus: Da gibt es Gott sei Dank keine.
Swiss Hockey: Welche Tips kannst / möchtest Du Toni mit auf dem Weg geben?
Retus: Toni braucht keine Tipps – er wird es vorzüglich machen
Swiss Hockey: Danke Dir Retus. Auch für Deine mehr als 25 Jahre grossartiges Engagement für Landhockey bei GCZ und in der Schweiz. Toni, Du hast es ja grad vorhin von Retus gehört: Du wirst Deine Präsidentschaft „vorzüglich machen“. Aber: Wie bist Du überhaupt zum Landhockey gekommen Toni? Kannst Du uns Deine Caps verraten?
Toni: Aufgewachsen bin ich in Hamburg und habe dort sehr früh angefangen Hockey zu spielen. Als dann unsere Familie zurück in die Schweiz gekommen ist, hat mich damals Stefan Leuenberger überredet, mal in ein Training beim GC zu kommen. Ich habe dann bald einmal in der U21-Nati begonnen und war dann auch viele Jahre in der Herren-Nationalmannschaft, einige Jahre davon als Captain. Insgesamt waren es dann etwas über 50 Länderspiele mit ein paar tollen Highlights, z.B. der Feld-EM in Dublin oder die Feld-B-WM in Kuala Lumpur.
Swiss Hockey: Wow, das ist natürlich eine sehr beeindruckende Hockey-Vita. Und wir haben festgestellt: Du spielst Hockey, Deine Kinder spielen Hockey und alle seid ihr bei GC. Wird GC jetzt zu einer „Haberthür Inc.“? 🙂
Toni: Nein, das denke und hoffe ich nicht. Aber Hockey ist natürlich vor allem auch ein Familiensport und es ist recht normal, dass die Kinder ebenfalls mit dem Hockey anfangen, wenn sie es als positiv bei den Eltern erleben. Mir ist aber auch sehr wichtig, dass meine Kinder den Sport aus eigenem Willen ausüben und nicht wegen mir. Ich denke, das ist heute so. Zudem werde und dürfte ich nie Einfluss nehmen auf ihre sportliche Karriere in meiner Rolle als Präsident.
Swiss Hockey: Was hat Dich denn dazu bewogen Dich als Präsident von GC Landhockey zur Verfügung zu stellen?
Toni: Lange Zeit konnte ich mir dies gar nicht vorstellen, zumal Retus als mein Vorgänger einen so tollen Job machte. Ich verstand aber auch, dass er nach 25 Jahren dann doch auch das Recht auf eine Nachfolge hatte – ich war aufgrund meiner Tätigkeit als Finanzverantwortlicher ein passender Kandidat. Ich bin dem Sport und dem Verein aufgrund der vielen schönen Erlebnisse immer sehr dankbar und dies ist eine Möglichkeit, etwas davon zurückzugeben.
Swiss Hockey: Etwas zurückgeben, das ist schön zu hören. Was denkst Du, vor welchen Herausforderungen steht Euer traditionsreiche Club?
Toni: Wir stehen wie viele Clubs an der Schwelle des halbprofessionellen Vereins. Mit anderen Worten: es wird bereits professionelle Arbeit geleistet mit bezahlten Trainern usw. und zugleich lebt der Verein von sehr vielen ehrenamtlichen Mitgliedern, die einen enorm wichtigen Beitrag leisten. Dies zu vereinen und weiterzuentwickeln im Kontext einer sich wandelnden Gesellschaft und zugleich wachsenden sportlichen Ambitionen, ist die Herausforderung, von der wir alle stehen.
Swiss Hockey: Und wie möchtest Du diese Herausforderungen angehen?
Toni: Im Vorstand sprechen wir viel über unsere Ziele und versuchen diese als Team weiterzuentwickeln und umzusetzen. Die Basis zu schaffen ist immer das wichtigste: die Finanzen und die Menschen, die mitarbeiten. Danach folgen die konkreten Massnahmen und Projekte, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Kommunikation ist dabei zentral, innerhalb des Clubs und gegen aussen. Wir müssen Mittel, Nachwuchs und Helfer generieren und aktivieren – was im Umfeld einer Grossstadt wie Zürich nicht unbedingt einfacher ist als in einer kleineren Agglomeration, wo Dinge überschaubar und die Wege kurz sind. Zudem verstehen wir uns als offenen Club mit internationalem Charakter, was sich aufgrund der vielen Expats ergibt. Dies bereichert uns als Verein, schafft aber auch Herausforderungen wie eine grössere Fluktuation.
Swiss Hockey: Wie kann Euch der Verband bei Euren Herausforderungen helfen? Was sind Deine Erwartungen an den Verband?
Toni: Der Verband sollte unseren Spielbetrieb effizient und übersichtlich organisieren und mit Systemen (Stichwort Clubee) und Ausbildungen (Stichwort: Schiedsrichter-Laufbahn) unterstützen. Er sollte die Nationalteams vom Nachwuchs bis zum Performance Bereich so aufbauen und leiten, dass die Schweiz im Verhältnis zur Grösse möglichst erfolgreich auf internationaler Ebene mithalten kann, was wiederum als Motivation für unseren Nachwuchs auf Clubebene dient. Und schliesslich die möglichst optimale Vertretung unseres Sports gegenüber Medien und auch den Verbänden wie Swiss Olympic usw. sicherstellen. Eine enge Zusammenarbeit und der Austausch mit den Vereinen ist dafür unumgänglich.
Swiss Hockey: Danke Dir Toni für den spannenden Einblick. Wir wünschen Dir alles Gute und weiterhin viel Freude bei GC und mit dem Landhockey.