wie ich bereits in meiner April-Kolumne erwähnt habe, geht es heute um uns: die Eltern am Spielfeldrand. Meine Kinder sind mittlerweile erwachsen, aber auch ich gehörte einst zu denen, die alles besser wussten. Das tue ich immer noch. Und als ich Trainer von Juniorenmannschaften war, habe ich viele liebevolle, wohlmeinende, unterstützende und begeisterte Eltern kennengelernt. Aber manchmal gibt es am Spielfeldrand auch einige eher eigenartige: fanatische, laute, dominante, die ihr eigenes Kind antreiben und, offen gesagt, manchmal nervig sind. Emotionen gehören zum Sport natürlich dazu. Und dass auch Eltern Emotionen haben, ist verständlich. Aber viele entschuldigen sich damit, dass sie „einfach sehr engagiert“ seien und dass Schreien dazu gehöre. Ich glaube nicht, dass das so ist. Nicht einmal, wenn es auf eine vermeintlich höfliche, „hockeytypische“ Art und Weise geschieht, was übrigens nicht immer der Fall ist.
Wie sollten Eltern damit umgehen? Meiner „bescheidenen“ Meinung nach, indem sie erkennen, dass man einem Kind nicht hilft, wenn man es drängt und fordert oder ihm Wut, Misstrauen, Skepsis, Verachtung oder Respektlosigkeit einflößt, zum Beispiel gegenüber Schiedsrichtern. Oder wenn man zu viel von ihm erwartet. Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht … Und wenn man damit nicht einverstanden ist, was auf dem Spielfeld passiert, sollte man es zumindest nicht vor den Kindern äußern. Der erste Schritt besteht darin, über die eigene Rolle nachzudenken: „Habe ich vielleicht selbst einmal Kommentare laut geäußert, wenn auch noch so subtil, selbst in der Vergangenheit?“ Viele Eltern behaupten, dass sie das nicht tun. Aber ganz ehrlich: Kinder spüren sehr genau, wie man andere ansieht – zum Beispiel den Schiedsrichter – und nehmen das als Rechtfertigung für ihr eigenes Verhalten. Wenn sich ein Kind gegenüber einem Schiedsrichter inakzeptabel verhält, kann man sicher sein, dass ein Elternteil oder ein anderer Erwachsener zuvor seine Meinung sehr deutlich gemacht hat. Und ist das wirklich das Vorbild, das wir geben wollen? Natürlich entscheidet ein Schiedsrichter vielleicht nicht immer alles richtig, aber Entscheidungen müssen akzeptiert werden. Es ist ganz einfach: Der Schiedsrichter ist näher am Geschehen, kennt die Regeln besser und handelt in gutem Glauben zum Wohle des Spiels und zum Vergnügen beider Mannschaften. Ihm gebührt der Vertrauensvorschuss. Kinder haben viel mehr Freude am Sport, wenn sie lernen zu akzeptieren, dass nicht immer alles nach ihrem Willen läuft, und sich dann auf das konzentrieren, was sie selbst tun können.
Mein vielleicht einfacher Vorschlag lautet: Erwachsene, die kommen, um Kindern beim Hockeyspielen zuzusehen, sollten sich am Spielfeldrand zurückhalten und ihre Kommentare auf „gut gemacht“, „los“ oder Ähnliches beschränken. Jedes Kind, das man fragt, wird dies bestätigen: „Lasst uns einfach spielen und Spaß haben“. Also, liebe Eltern: Bitte unterstützt eure Kinder und ihre Mannschaft weiterhin. Und wenn die Emotionen hochkochen, sollten diese Emotionen schließlich der Reflexion weichen, mit dem Ziel zu verstehen, wie das Verhalten von Erwachsenen Kinder beeinflusst. Dieser Einfluss kann und sollte weitaus positiver sein.
Wenn ihr Ideen habt oder etwas besprechen möchtet: meldet euch bei rob.mudde@swisshockey.org.
Herzliche Grüsse,
Rob Mudde

