Swiss Hockey: Der HC Steffisburg wurde 1982 gegründet. War jemand von Euch damals schon dabei als Junior? Wenn nein: seit wann seid ihr beim HC Steffisburg?
Dominik: Nein, so alt bin ich dann doch noch nicht. Ich bin seit 1991 beim HC Steffisburg dabei. Meine Hockeykarriere habe ich mit sechs Jahren begonnen und seither viele unvergessliche Momente mit dem HC Steffisburg erlebt.
Aline: Ich war damals noch nicht auf der Welt, als der HCSt gegründet wurde. Ich bin mit 10 Jahren dem HC Steffisburg beigetreten, also 2010.
Björn: Nein, 1982 war ich auch noch nicht auf der Welt. Ich bin dem HC Steffisburg etwa 2009 im Alter von ca. 7 Jahren beigetreten.
Swiss Hockey: Und warum habt ihr mit Landhockey angefangen? Wer oder was hat Euch zum Hockey gebracht?
Dominik: Damals gab es in Steffisburg bereits den Schulsport, in dem auch Hockey angeboten wurde. Ich habe mich für diesen Kurs angemeldet. Ehrlich gesagt bin ich vor dem ersten Training davon ausgegangen, dass es sich um Unihockey handelt. Zuerst war ich überrascht, als ich die kleinen, gebogenen Schläger sah. Der Sport hat mich jedoch von der ersten Sekunde an fasziniert, so dass ich bis heute dabei geblieben bin.
Aline: ich bin durch meinen Bruder Philippe und unseren Kollegen Björn aufs Landhockey gestossen. Unsere Familien sind seit vielen Jahren gut befreundet. Die Jungs gingen durch den Schulsport dort ins Training und ich wollte auch dabei sein, darum ging ich in ein Training mit und es hat mir so viel Spass gemacht, dass ich bis heute geblieben bin.
Björn: Wie auch Dominik wurde ich über den Schulsport auf den Club aufmerksam und kam so zu meinen ersten Schritten im Landhockey. Die ersten Trainings waren damals noch sehr speziell und ungewohnt, aber mit der Zeit wurde man besser. Genau das führte schlussendlich dazu, dass ich dem Sport und dem Club treu geblieben bin.
Swiss Hockey: Dominik, nun habt ihr seid 1982 auf Naturrasen gespielt. Als die grossen Clubs so nach und nach auf Kunstrasen umwechselten – welchen Impact hatte das auf den HCSt?
Dominik: Als Junior habe ich diesen Prozess eher schleichend wahrgenommen. Erst als ich in der Juniorenauswahl der Schweiz spielte, wurde mir bewusst, dass ich als Rasenhockeyspieler gewisse Nachteile habe. Für eine optimale sportliche Entwicklung wäre vermutlich der Wechsel zueinem Verein mit Kunstrasen sinnvoll gewesen. Meine Verbundenheit zum Naturrasen und zum HC Steffisburg war jedoch immer grösser, sodass ich diesen Schritt nie gemacht habe.
Swiss Hockey: Kam es oft vor, dass ihr ein Heimspiel bei euch auf dem Sportplatz Erlen verloren habt?
Dominik: Wir haben durchaus immer wieder Heimspiele verloren, insbesondere in unserer Zeit in der NLB. Über die Jahre gesehen hatten wir zu Hause auf Naturrasen jedoch einen deutlich höheren Punkteschnitt als auswärts auf Kunstrasen. Als es den Schweizer Cup noch gab, gelang es uns zudem, vereinzelt sogar NLA-Clubs zu schlagen.
Swiss Hockey: Aline, die Senioren kennen noch die Zeit als es nur auf Naturrasen gespielt wurde. Die heutigen Kids und JuniorInnen – was ist das für ein Gefühl für sie auf Naturrasen zu trainieren und in den Meisterschaften vorwiegend auf Kunstrasen zu spielen (Ausnahme: HC Höfe!)?
Aline: Für die Kinder ist diese Umstellung jeweils schon etwas schwierig. An den Turnieren müssen sie sich zuerst an den Kunstrasen gewöhnen. Der Naturrasen hat viele Löcher, und ist allgemein etwas schwieriger zu bespielen, daher haben wir den Kindern jeweils gesagt, dass der Kunstrasen ähnlich sei wie die Halle. So hat dies meistens geklappt.
Swiss Hockey: Wie konntet Ihr die Kids/JuniorInnen davon begeistern auf Naturrasen zu spielen? Fühlten sich dieKids/JuniorInnen nicht etwas seltsam dabei?
Aline: Nein ich glaube, dies wurde gar nie in Frage gestellt, weil die Kinder gar nicht wussten, dass die anderen Clubs auf Kunstrasen spielen (bis zum ersten Turnierbesuch). Es gab bisher in Steffisburg gar keine andere Möglichkeit, als auf Naturrasen zu spielen. Landhockey ist in unserer Region leider nicht so populär, deshalb wissen viele auch gar nicht, dass man dies eigentlich auf Kunstrasen spielt. Ich denke aber, dass das erste Mal Kunstrasen für viele Steffisburger Kinder ein spezieller Moment war, da denke ich auch an mich selber zurück. Das alljährliche Tenero Hockey-Lager, welches wir mit dem Berner HC zusammen durchführen, hat deshalb in unserem Verein einen grossen Mehrwert für die Kinder, da eine intensive Hockey-Woche auf Kunstrasen sehr viele Fortschritte gebracht hat – und auch immer noch jedes Mal bringt.
Swiss Hockey: Dominik, Jetzt habt ihr einen brandneuen hockey-tauglichen Kunstrasen. Wie lange hat es gedauert, bis ihr die Stadt/Gemeinde dazu überzeugen konntet so einen Platz zu bauen? Was waren Eure Argumente?
Dominik: Ich muss das zuerst präzisieren: Es handelt sich um einen Fussballkunstrasen und nicht um einen speziellen Hockeykunstrasen. Wir haben jedoch die grosse Hoffnung, dass sich darauf auch gut Hockey spielen lässt – insbesondere für unsere Junior:innen wird dies eine deutliche Verbesserung sein. Positiv ist, dass es uns gelungen ist, sämtliche Trainings- und Spielzeiten vom Naturrasen auf den Kunstrasen zu verlegen. Dies konnten wir dank eines guten und konstruktiven Austauschs mit der Gemeinde sowie den anderen Vereinen erreichen.
Swiss Hockey: Björn, mit dem neuen Kunstrasenplatz: ist es nun Euer Ziel dem FC Thun nachzuahmen und Meister zu werden? Wenn nicht: was habt ihr denn so vor?
Björn: Nein, ich denke auch, dass wir mit dem Wechsel auf den Kunstrasen an unserem Konzept mit dem Mixed-Team in der 1. Liga festhalten werden. Dieses Modell hat für unseren Verein in den letzten Jahren gut funktioniert und gehört inzwischen auch ein Stück weit zu unserer Identität.
Swiss Hockey: Und wie sieht’s bei den JuniorInnen aus Aline: Final4 der U18?
Aline: Mal sehen, wie diese Saison laufen wird, da es auch für die Junior*innen neu sein wird, auf einem Kunstrasen zu trainieren. Auch wenn es nicht ein Hockeykunstrasen ist, hoffe ich sehr, dass die Junioren einige Vorteile daraus ziehen können. Ich glaube aber mit dem Zusammenhalt, den motivierten Spieler*innen und den engagierten Trainern, wird die Teilnahme am Final4 der U18 sicher das Saisonziel sein. Wir werden einige Verstärkung aus der U15 für das U18 Team benötigen, aber ich bin sicher, dass der HC Steffisburg eine gute Leistung zeigen wird. Für unsere Junior*innen ist diese U18 Challenge eine grosse Chance, um ihr Können auch gegen Gleichaltrige zu beweisen, währenddem sie bereits in die 1. Mannschaft integriert werden.
Swiss Hockey: Werdet ihr denn Euren Naturrasenplatz nicht vermissen? Ich meine 44 Jahre sind fast eine halbe Ewigkeit … und da sind wohl schon die eine oder andere Generation gross geworden … was werdet ihr am alten Rasen vermissen? Was nicht?
Dominik: Vermissen werde ich die schöne, gemütliche und familiäre Atmosphäre während der Heimspiele. Wo gibt es schon unmittelbar neben dem Spielfeld einen Sandkasten für die kleinen Kinder? Auch den natürlichen und im Sommer angenehm kühleren Rasen werde ich sicherlich vermissen. Nicht vermissen werde ich hingegen die zahlreichen Löcher, die das Stoppen eines Hockeyballs teilweise zur Glückssache gemacht haben.
Aline: Ich werde sicher auch die gemütliche Atmosphäre vermissen. Viele andere und ich auch, haben auf diesem Feld das erste Mal Landhockey gespielt und da ist man schon etwas wehmütig. Vermissen werde ich sicher nicht die kurzfristigen Trainingsabsagen, die wir jeweils aufgrund des unbespielbaren Rasens machen mussten.
Björn: Hier schliesse ich mich voll und ganz Dominik an. Ich werde die tollen Momente und das Feeling auf Naturrasen definitiv vermissen. Leider ist es in den letzten Jahren aber immer schwieriger geworden, einen anständigen Untergrund zu haben.
Swiss Hockey: Danke Euch vielmals für das tolle Gespräch. Euer Naturrasen hat Euch wirklich einzigartig gemacht. Eine Ära geht, eine neue bricht an. Euch viel Freude und Erfolg mit dem neuen Kunstrasen.