Vom 1. – 4. Juli nehmen die U16 Girls und U16 Boys von Swiss Hockey an den EuroHockey5s Championship in Alanya (TUR) teil. Mit Mathias Schaeben konnten wir ein Interview führen.
EuroHockey5s U16 Championships 2026

Swiss Hockey: Mathias, die EuroHockey5s U16 Championships stehen vor der Tür. Mit welchen Erwartungen reisen unsere U16 Girls und Boys in die Türkei? Wo siehst Du die grössten Chancen für unsere Teams und welche Nationen werden aus Deiner Sicht um den Titel mitspielen?
Mathias Schaeben: Grundsätzlich ist es im U16-Bereich immer schwierig, den Turnierverlauf zu prognostizieren. Wir wissen, dass unsere Girls und Boys gut vorbereitet sind und über starke Spieler sowie sehr gute Torhüter verfügen. Gleichzeitig wissen wir nicht, wo wir im Vergleich zu den anderen Nationen stehen. Die Nachwuchsausbildung entwickelt sich in jedem Land unterschiedlich und wir haben im Vorfeld kaum Vergleichsmöglichkeiten. Dennoch reisen wir mit klaren Ambitionen nach Alanya. Die Erfahrungen und Resultate der vergangenen Jahre zeigen, dass wir das Potenzial haben, mit beiden Teams ins Halbfinale zu kommen und um eine Medaille zu spielen. Dieses Ziel setzen wir uns auch für die diesjährige Europameisterschaft. Wer am Ende um den Titel spielt, wird aber nicht allein von der spielerischen Qualität abhängen. Die Bedingungen in Alanya mit hohen Temperaturen werden alle Teams vor grosse Herausforderungen stellen. Gerade im Hockey5s, wo das Spiel enorm dynamisch ist und sich Partien innerhalb weniger Augenblicke entscheiden können, wird es entscheidend sein, auch unter schwierigen Bedingungen einen kühlen Kopf zu bewahren und in den entscheidenden Momenten die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ich bin überzeugt, dass unsere Teams die Qualität besitzen, um eine gute Rolle zu spielen und die Schweiz würdig zu vertreten.
Swiss Hockey: Der Erfolg unserer Nachwuchsnationalteams beginnt in den Vereinen. Was zeichnet aus Deiner Sicht eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit aus und welche Entwicklungen beobachtest Du aktuell im Schweizer Clubhockey besonders positiv?
Mathias: Aus meiner Sicht hat die Nachwuchsarbeit in den Schweizer Clubs in den letzten Jahren einen enormen Entwicklungsschritt gemacht. Davon profitieren wir heute auf allen Stufen des Swiss Hockey Pathways. Einen wesentlichen Anteil daran hat das von Andy Gasser entwickelte Kinderlandhockey-Konzept, das sich in den vergangenen Jahren schweizweit etabliert hat. Es ermöglicht Kindern einen spielerischen und altersgerechten Einstieg in unseren Sport und sorgt dafür, dass heute deutlich mehr Spieler mit einer guten technischen und spielerischen Grundlage in die U14-Regionalauswahlen nachrücken. Die Vereine legen mit ihrer täglichen Arbeit den Grundstein für die Entwicklung unserer Nachwuchsnationalspieler. Besonders freut mich, dass sich die Herkunft der Spieler in den Regionalauswahlen und Jugendnationalteams in den vergangenen zehn Jahren immer stärker verteilt hat. Talente kommen heute aus einer Vielzahl von Vereinen – und auch Spieler aus vermeintlich kleineren Clubs schaffen den Sprung an eine Jugend-Europameisterschaft. Das zeigt, dass gute Nachwuchsarbeit nicht von der Grösse eines Vereins abhängt, sondern von engagierten Trainer, einer nachhaltigen Ausbildung und einem fördernden Umfeld. Besonders sichtbar wird diese Entwicklung im weiblichen Nachwuchs. Sowohl die Anzahl der Spielerinnen als auch das sportliche Niveau unserer Nachwuchsnationalteams haben sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich positiv entwickelt. Das ist ein klares Zeichen für die hervorragende Arbeit, die in den Clubs geleistet wird.
Natürlich gibt es weiterhin Bereiche, in denen wir uns verbessern können. Aber wenn ich auf die Entwicklung der letzten zehn Jahre blicke, bin ich überzeugt, dass wir gemeinsam mit unseren Vereinen einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht haben. Dafür gebührt allen Trainer, Funktionär und freiwilligen Helfer, die sich tagtäglich im Nachwuchs engagieren, ein grosses Dankeschön.
Swiss Hockey: Mit der EuroHockey5s Championship endet die internationale Hockey5s-Reise von Swiss Hockey. Weshalb wurde dieser strategische Entscheid getroffen und welche Rolle kann Hockey5s trotzdem weiterhin in der Ausbildung junger Spieler spielen?
Mathias: Dass wir vorerst unsere letzte Hockey5s-Europameisterschaft mit den U16 Nationalmannschaften bestreiten, bedauere ich durchaus. Hockey5s bringt viele spannende Elemente mit sich, von denen unsere Nachwuchsspieler profitieren können. Das schnelle Spiel fördert technische Fähigkeiten, schnelle Entscheidungen und das Spiel in engen Räumen – Kompetenzen, die sowohl im Grossfeld- als auch im Hallenhockey einen hohen Stellenwert haben.
Dennoch hat sich das internationale Umfeld in den vergangenen Jahren stark verändert. Im U16-Bereich bietet Hockey5s auf europäischer Ebene heute nicht mehr den sportlichen Mehrwert, den wir uns für die Entwicklung unserer Talente wünschen. Die meisten Nationen, die im internationalen 11-a-side-Hockey mit uns konkurrieren, haben sich aus den Hockey5s-Wettbewerben zurückgezogen und konzentrieren ihre Ressourcen wieder vollständig auf das olympische Grossfeldhockey.
Mit der Einführung des Swiss Hockey Pathways und der Neuausrichtung unserer Nachwuchsförderung bilden wir heute deutlich mehr Spieler aus als noch vor einigen Jahren. Unser Ziel ist es, möglichst vielen Talenten den Weg vom Verein über die Regionalauswahlen bis in die Nachwuchs- und Aktivnationalteams zu ermöglichen. Dafür müssen wir unsere personellen und finanziellen Ressourcen gezielt dort einsetzen, wo der grösste Entwicklungsmehrwert entsteht. Aus diesem Grund haben wir entschieden, den Fokus im U16-Bereich vollständig auf das internationale Grossfeldhockey zu legen. Ein Dämpfer war zweifelsohne auch die Nichtberücksichtigung von Hockey5s bei den Youth Olympic Games 2026, für die wir alles gegeben hatten.
Das bedeutet aber keineswegs, dass Hockey5s für die Clubs oder die Ausbildung an Bedeutung verliert – ganz im Gegenteil. Gerade im Kinderlandhockey bieten die Hockey5s-Banden den Kindern Spiel und Spass. Hockey5s bleibt aus meiner Sicht ein wertvolles Ausbildungsinstrument – auch wenn wir uns auf internationaler Ebene künftig auf das olympische 11-a-side-Hockey konzentrieren.